Asyl im Vogtland

Die Erstaufnahmeeinrichtung auf dem früheren Plamag-Gelände sowie Zahlen und Fakten zum Thema Asyl in Sachsen und im Vogtlandkreis

Das rapide Wachstum der Asylbewerberzahlen stellte Bund, Länder und Kommunen im letzten Jahr vor große Herausforderungen. Während der Bund mit seinem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) eine deutlich größere Zahl von Asylverfahren als in der Vergangenheit zu führen hat, müssen die Bundesländer und die Kommunen sehr schnell eine viel größere Zahl von Asylsuchenden unterbringen und versorgen. Diese Übersicht soll Ihnen einen informativen Überblick über den aktuellen Stand in Bezug auf die Entwicklungen in Plauen und dem Vogtland geben.

Was ist eine Erstaufnahmeeinrichtung (EAE)?
Erstaufnahmeeinrichtungen werden vom Freistaat Sachsen (Landesdirektion Sachsen) in Kooperation mit den großen Hilfsorganisationen DRK, Malteser Werke GmbH und der Johanniter-Unfall-Hilfe betrieben. Derzeit gibt es in Sachsen drei Erstaufnahmeeinrichtungen in Chemnitz-Ebersdorf, Leipzig-Friederikenstraße (Übergangslösung bis zur Fertigstellung der EAE in Leipzig-Gohlis) sowie in Dresden-Hammerweg mit zahlreichen weiteren temporären Standorten (29 im April 2016). All diese temporären Standorte sind nun zum 30. Juni 2016 geschlossen worden, darunter auch die EAE in der Plamag in Plauen.

In den EAE erfolgt die Registrierung der Flüchtlinge und Asylsuchenden durch die Zentrale Ausländerbehörde (ZAB). Gleichzeitig werden Gesundheitsuntersuchungen und die Registrierungen beim BAMF durchgeführt.

Für die Durchführung der Asylverfahren ist das BAMF zuständig. In jeder EAE mit einer Kapazität von mehr als 500 Betten richtet das BAMF eine Außenstelle zur Bearbeitung der Asylverfahren ein. Derzeit verfügt Sachsen mit jeweils einem Standort in Chemnitz und Leipzig über zwei Außenstellen der Bundesbehörde.

In einer Erstaufnahmeeinrichtung verbleiben die Menschen maximal drei Monate.

Warum gab eine Erstaufnahmeeinrichtung in Plauen?
Vor Inbetriebnahme der neuen Erstaufnahmeeinrichtungen in Dresden und Leipzig (entsprechend des Drei-Standorte-Konzepts der Sächsischen Staatsregierung), die den Standort Chemnitz entlasten sollen, war die Einrichtung von temporären Erstaufnahmeeinrichtungen erforderlich, um den anhaltenden Flüchtlingsstrom nach Sachsen zu bewältigen, so auch in Plauen. Es handelte sich hierbei um die erste und einzige EAE im Vogtlandkreis, die als Außenstelle der EAE in Chemnitz fungieren soll. In diesem Zuge wurden im gesamten Gebiet des Freistaates mögliche Unterbringungsmöglichkeiten geprüft, wobei das Plamag-Gelände als Standort auf Grund einer guten Nahverkehrsanbindung, einer vorhandenen Großküche und einem zur Verfügung stehenden Speisesaal gewählt worden ist. Diese wurde wegen dem geringen Zugang an neuen Asylsuchenden zum 30. Juni 2016 geschlossen.

Wann ging die Erstaufnahme in Betrieb?
Die EAE auf dem früheren Plamag-Gelände sollte ursprünglich ab dem 1. November 2015 zur Unterbringung genutzt werden. Dieser Termin konnte jedoch nicht gehalten werden. Die ersten Asylsuchenden und Flüchtlinge erreichten die Notunterkunft am 6. November 2015. Das Deutsche Rote Kreuz fungiert als Betreiber für die EAE in Plauen.

Wie viele Asylsuchende wurden in der Plamag untergebracht?
In der Erstaufnahmeeinrichtung in Plauen sind Kapazitäten für 600 Asylsuchende geschaffen worden. Eine Vollbelegung hat es nicht gegeben.

Wie lebt es sich in einer Erstaufnahmeeinrichtung?
Die Erstaufnahmeeinrichtungen dienen nur temporär der Unterbringungen von Asylsuchenden und Flüchtlingen. Die Einrichtungen sind mit Zäunen von der Außenwelt abgegrenzt, wobei die dort lebenden Menschen die Einrichtung durch eine Sicherheitsschleuse betreten und verlassen können. Die Menschen sind dort in Mehrbettzimmern mit zentralen oder dezentralen Waschräumen untergebracht. Für die Kinder stehen Spielzeuge und meist auch Spielplätze zur Verfügung.

Die Essensversorgung wird für alle Geflüchteten in einer Großküche organisiert, die von einem Betreiber geleitet wird. In Erstaufnahmeeinrichtungen werden prinzipiell nur alkoholfreie Getränke ausgeschenkt. Es gilt ein striktes Alkoholverbot. Ein Verstoß gegen das Verbot wird geahndet.

Wohin kommen die Asylsuchenden nach der Erstaufnahmeeinrichtung?
In der Regel werden Flüchtlinge nach der Registrierung durch das BAMF in eine Gemeinschaftsunterkunft in die Landkreise und kreisfreien Städte verteilt. Aufgrund der hohen Belegungszahlen in den EAE der Länder ist zukünftig geplant, einen Teil der Flüchtlinge bereits vor der Registrierung durch das BAMF auf die Kommunen zu verteilen. Voraussetzung für die Verteilung in kommunale Gemeinschaftsunterkünfte ist die Registrierung durch die ZAB, die Gesundheitsprüfung (Erstuntersuchung) und eine zehntägige Inkubationszeit. Bei der Umverteilung wird der Grundsatz verfolgt, dass Flüchtlinge aus sicheren Herkunftsstaaten bis zum Abschluss der Verfahren in den EAE des Freistaates verbleiben. Die Versorgung und die Betreuung der Schutz suchenden Menschen in den Gemeinschaftsunterkünften liegen im Verantwortungsbereich der Kommunen.

Die landesinterne Verteilung in Sachsen auf die Landkreise und kreisfreien Städte erfolgt nach einem Schlüssel, der sich aus dem Anteil des jeweiligen Landkreises bzw. der kreisfreien Stadt an der Wohnbevölkerung des Freistaates Sachsen errechnet. Geregelt ist die Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge im Sächsischen Flüchtlingsaufnahmegesetz (SächsFlüAG), welches unter http://www.revosax.sachsen.de/vorschrift/9524-Saechsisches_Fluechtlingsaufnahmegesetz eingesehen werden kann.

Wie viele Asylsuchende kamen 2015 und 2016 in Sachsen an? Mit wie vielen muss 2017 gerechnet werden?
Im gesamten Freistaat Sachsen kamen im Jahre 2015 fast 70.000 Asylsuchenden und Flüchtlinge an, wovon 5,7 Prozent dem Vogtlandkreis zugeführt werden sollen. In Deutschland zählten die Behörden die Anzahl auf rund 900.000 Schutzsuchende für 2015 und ca. 320.000 für 2016. Aktuell (Stand: März 2017) befinden sich 1.485 Asylsuchende im Vogtlandkreis, darunter ca. 1.000 in Plauen. Hinzu kommen 140 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im gesamten Vogtlandkreis. Die Anzahl der Flüchtlinke nimmt damit stetig ab. Im Jahre 2016 kamen drastisch weniger Asylsuchende und Flüchtlinge nach Sachsen. Aktuellen Zahlen zufolge (Stand: 01.02.2017) zählte der Freistaat 14.860 Asylbegehrende im Jahre 2016. Durch Abgänge lebten in Sachsen aktuell insgesamt jedoch nur rund 31.100 Asylbewerber (Asylbewerber im Verfahren sowie abgelehnte Asylbewerber). Davon hielten sich rund 23.500 Personen in den Kommunen und ca. 1.750 Asylsuchende in den Erstaufnahme-Einrichtungen (EAE) des Landes auf.

Woher kommen die Asylsuchenden?
Ein beträchtlicher Teil der hier in Sachsen zwischen dem 1. Januar und 31. Dezember 2016 angekommenen Asylsuchenden stammt zu ca. 19 Prozent aus Syrien, welches ca. 2.800 Personen entspricht. Die zweitgrößte Gruppe stammte aus Afghanistan (13,3 Prozent bzw. 1.977 Asylsuchende) gefolgt von Menschen aus dem Irak (10,5 Prozent bzw. 1.568 Asylsuchende).

Wie kann ich helfen?
Das Netzwerk „Migration und Flüchtlinge“ kümmert sich seit 2008 um die Belange von Asylsuchenden und Flüchtlingen im Vogtlandkreis. Mittlerweile bringen sich knapp 60 soziale, kirchliche und weitere Akteure aus dem Vogtland darin aktiv ein. Den Asylbewerbern mangelt es vordergründig an der Verständigung im Alltag. Große Probleme bereiten Arztbesuche, Schulanmeldung, Behördengänge, Einkaufen, die Orientierung im nahen Umfeld, die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel und vieles mehr.

In Plauen gibt es bereits zahlreiche Initiativen, die sich auf die Fahnen geschrieben haben, Asylsuchende und Flüchtlinge zu unterstützen. Der Verein Integration statt Isolation beispielsweise unterstütz die hier Ankommenden bei Alltagsbegegnungen, Behördengängen und bietet Sprachkurse an, während der VFC Plauen e.V. eigens ein Integrationsteam unter dem Titel „1903% RESPECT“ zur organisierten sportlichen Betätigung gegründet hat. Auch der Kreissportbund möchte in Kooperation mit dem Landessportbund eine solche Vernetzung und Koordinierung für den sportlichen Bereich etablieren, während die Flüchtlingshilfe Plauen e.V. als Zusammenschluss von Helferinnen und Helfern auf veschiedene Projekte wie Strick- und Häkelkurse, das Sammeln und Aufbereiten alter Fahrräder sowie Sprachkurse setzt. Auch sollte die Vertretung des Sächsischen Flüchtlingsrates in der Herrenstraße in Plauen ebenso Erwähnung finden wie Be Human e.V. und Die Fabrik CVJM e.V., die beide im Reichenbacher Asylbewerberheim in der Dr.-Külz-Straße 21 insbesondere Sprachkurse und Freizeitaktivitäten anbieten.

Wenn auch Sie helfen möchte, so treten Sie mit den oben genannten Initiativen in Kontakt. Zur weiteren Vermittlung und Koordinierung steht Ihnen auch die Gleichstellungs-, Integrations- und Frauenbeauftragte des Vogtlandkreises, Frau Veronika Glitzner, unter (03741) 392-1060 zur Verfügung.

Ablauf Asylverfahren

Integrationspolitik
Eine Übersicht über die Integrationspolitik im Freistaat Sachsen ab 2014 bis 2018 gibt es unter: http://juliane-pfeil.de/integrationspolitik-in-sachsen-seit-2014/